Die Wohnberatung zu Gast beim Contergan-Stammtisch

Ein Bericht von Wolfgang Schasse

Am 12.06.2010 hatte der Stammtisch als Veranstaltung die Wohnberatung der Caritas Soest mit der Referentin Frau Borgmann, zu Gast.

Nach einer kurzen Vorstellung der Referentin wurde auch gleich in das Thema Wohnberatung mit Gesetzen und Verordnungen eingestiegen. Zu Beginn wurde deutlich gemacht, dass Wohnberatung nicht nur etwas für betagte Bürger ist, sondern auch für Menschen mit Behinderung, viele Fragen beantwortet. Anhand von Beispielen verdeutlichte Frau Borgmann Ihren Vortrag sehr anschaulich und jeder der 10 Teilnehmer verfolgte die Ausführungen gespannt. Selbstverständlich konnten jederzeit Fragen gestellt werden und diese wurden dann wenn möglich sofort beantwortet oder in der Gruppe diskutiert. Während der Ausführungen kam auch der Durst zu seinem Recht und wir wurden wie immer von der Bedienung im Haus Rasche gut versorgt.

Frau Borgmann von der Wohnberatung der Caritas Soest
Besonders möchte ich erwähnen, dass Frau Borgmann auch direkt auf Contergangeschädigte eingegangen war. Für sie war es das Erste mal solch einen Vortrag vor Contergangeschädigten zu halten. Nach gut 1 ¾ Stunde wurde an Fotos gezeigt, das sich Beratung lohnt und wir barrierefreie Umbauten vorher und nachher sehen konnten.

Am Ende wurden die Teilnehmer darauf hingewiesen, dass Wohnberatung auch für jeden Einzelnen ganz individuell bei sich zu Hause durchgeführt werden kann. Die Wohnberatung gibt es in fast jeder Stadt oder jedem Kreis. Jeder der wollte konnte sich dann auch mit kostenlosem Informationsmaterial eindecken.

Mein Dank galt der Referentin Frau Borgmann und mit Applaus belohnten sie die Teilnehmer des Stammtisches Soest/Bad Sassendorf für Ihre gute Arbeit.

Im Anschluss des Vortrags wurde noch ausführlich diskutiert und von dem reichhaltigen Angebot der Speisekarte Gebrauch gemacht.



Familientag in Erwitte 08.11.2009

Ein Bericht von Angela Dinkel

Der Familientag wurde vom Kreis Soest das erste Mal organisiert, um die Arbeit verschiedener Sozialverbände und Vereine einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Die Zielgruppe waren in erster Linie Familien mit Kindern samt ihrer älteren Angehörigen. Der Tag sollte dazu dienen, die sozialen Angebote, Informationen und Hilfestellungen in Form einer kleinen Messe den Menschen näher zu bringen.

Vom Organisationsteam der Stadt Erwitte wurden dazu ein großes Veranstaltungszelt und die benachbarten Räumlichkeiten der AWO im Haus Böllhoff bereitgestellt.
Für den Conterganstammtisch Soest-Bad Sassendorf eine gute Gelegenheit, seine Arbeit von und für Contergangeschädigte und ihrer Angehörigen vorzustellen!

Um nicht direkt am Veranstaltungstag mit den Hauptvorbereitungen beschäftigt sein zu müssen, wurde uns am Vortag Gelegenheit gegeben, unseren Raum in Augenschein zu nehmen, vor zubereiten und unser Infomaterial auszulegen. Nicht zu vergessen: Auch an Süßigkeiten für die großen und kleinen Leckermäuler haben wir gedacht! Mit dem Orga-Team und den Helfern wurden noch Wünsche und Organisatorisches abgesprochen.

Am 08. November sind wir frühzeitig angerückt, um den Rest, das heißt die Computer samt Videos und Internetpräsentation und unser großes Banner aufzustellen. Ab11.00 Uhr ging es dann richtig los! Überall war ein geschäftiges Kommen- und Gehen und eine gespannte Erwartung zu spüren.

In der Festhalle wurde die Veranstaltung von Landrätin Frau Eva Irrgang und dem Bürgermeister der Stadt Erwitte Herr Peter Wessel feierlich eröffnet. Zwischendurch hat die Jazz-Band des städtischen Gymnasiums den geladenen Lokalpolitikern und dem Publikum aufgespielt und viel Beifall bekommen. Anschließend haben sich die Honoratioren zu einem informativen Rundgang entschlossen, sind zu unserer Freude auch bei uns erschienen und wurden herzlich eingeladen Platz zu nehmen.
Diskussionsrunde beim Familientag in Erwitte
Herr Wessel und die stv. Bürgermeisterin der Stadt Soest, Frau Christine Mackensen, haben sich sehr für die Contergansache interessiert, sich genügend Zeit genommen, und Herr Wessel hat es sich nicht nehmen lassen, unsere Webseite frei zuschalten. Auch fanden viele der anderen Besucher den Weg zu uns und haben sich ausführlich informiert.


Als wir ein wenig „Luft“ hatten, konnten wir uns selbst bei den anderen Gruppen umschauen, uns um-hören und an leckeren Waffeln und warmer Erbsensuppe laben.

Alles in Allem war dieser Tag ein sehr gelungener Auftakt und gibt den Veranstaltern den Ansporn, weitere Familientage durchzuführen. Klar, dass der Conterganstammtisch dann wieder Flagge zeigen wird!

Wir möchten an dieser Stelle den Verantwortlichen und ihren Teams ein herzliches Dankeschön für ihre Idee und Engagement aussprechen und einen besonderen Gruß an Herrn Bürgermeister Wessel und Frau stv. Bürgermeisterin Mackensen richten. 

Angela Dinkel



Um die Kindheit gebracht - Film über Contergan-Opfer

Westfalenpost vom 11.11.2008

Film über Contergan-Opfer im Schlachthof

Soest. Als Contergan-Opfer lebt Wolfgang Schasse in ständiger Angst. Da ist die Angst, dass er sich schwer verletzt und kein Arzt seine Knochenbrüche richtig heilen kann. Und die Angst davor, dass sein Geld im Alter nicht ausreicht. Um auf die Situation aller Contergan-Geschädigter aufmerksam zu machen, holt Schasse den Film „NoBody's Perfect” nach Soest.

„Die meisten von uns wurden um ihre Kindheit gebracht”, sagt Wolfgang Schasse. Der 47-Jährige kam mit einer Zwillingsschwester auf die Welt, die kurz darauf verstarb. „Viele können ihren Wunschberuf nicht ausüben, sind arbeitslos, Sozialhilfeempfänger und leiden unter ständigen Schmerzen.” 2800 „Contis” - wie sich die Contergan-Opfer selbst nennen - leben noch in Deutschland. In Soest fühlt sich Wolfgang Schasse allein auf weiter Flur. „Es soll noch zwei andere geben, aber denen bin ich nie begegnet”, erzählt er. Seit zehn Jahren engagiert sich Schasse aktiv für Contergan-Geschädigte. „Im Vergleich zu England oder Schweden bekommen die Opfer in Deutschland nur ein Drittel der Entschädigungsrente”, erklärt er. „Viel zu wenig.” Wolfgang Schasse zählt auf, welche Mehrkosten er mit seiner Behinderung im Alltag hat: Die Ärmel seiner Pullover müssen abgenäht werden, seine Schuhe sind Extra-Anfertigungen und der Umbau seines Autos war ziemlich teuer. Im Haus braucht er einen Aufzug und zahlreiche weitere Hilfen, die ihm das Alleinleben ermöglichen. Von der staatlichen Rente allein könnte er dies nie bezahlen. Er gehört trotz 100-prozentiger Behinderung zu dem Drittel der Contergan-Opfer, die noch arbeiten können und auch eine Arbeit gefunden haben.

Alle Versuche der Geschädigten, mit der Firma Grünenthal ins Gespräch zu kommen und eine angemessene Opferentschädigung zu erwirken, scheiterten. Die Firma Grünenthal ist bereit, einmalig 50 Millionen Euro für alle Opfer zu zahlen. „Der entstandene Schaden ist nicht wieder gut zu machen”, so Schasse. „Aber wir wollen eine angemessene Entschädigung, damit wir einen ruhigen Lebensabend haben können.” Für Wolfgang Schasse ist wichtig, dass das Thema-Contergan in der Öffentlichkeit bleibt. Aus diesem Grund hat er das Kino im Alten Schlachthof am 15. November gemietet, um ab 17 Uhr den Film „NoBody's Perfect” zu zeigen. Regisseur Niko von Glasow hat elf Contergan-Opfer überredet, sich für einen Aktkalender ablichten zu lassen. Das zwölfte Model war er selbst. Im Film dokumentiert er seine Suche und stellt spannende Persönlichkeiten vor. Viele „Contis” haben ihr Kommen angekündigt. Unter anderem wollen auch die drei Darsteller Andreas Meyer und Bianca Vogel nach dem Film für eine Gesprächsrunde bleiben. Außerdem sprechen Helga und Stephan Nuding und Gihan Higasi über ihren 27-tägigen Hungerstreik im September. „Wenn sie bis dahin nicht einen weiteren Streik ins Leben gerufen haben und ihre Gesundheit mitspielt”, schränkt Schasse ein.

Der Wunsch von Wolfgang Schasse ist es, dass die Menschen sein Engagement verstehen und die Conterganopfer unterstützen im Bestreben um eine gerechte Opferentschädigung durch Grünenthal und die Bundesregierung.